Aktuelles aus unserem Verein

Fachtag
„Zukunft gestalten – Babyboomer im Übergang“

Am 18. März 2026 veranstaltete die Landesseniorenvertretung für Sachsen e. V. gemeinsam mit dem Bildungswerk für Kommunalpolitik Sachsen e. V. im Haus an der Kreuzkirche in Dresden den Fachtag „Zukunft gestalten – Babyboomer im Übergang“. Im Mittelpunkt stand eine Lebensphase, die in den kommenden Jahren nicht nur viele Menschen persönlich beschäftigen, sondern auch Kommunen, Arbeitsmarkt und soziale Infrastruktur zunehmend prägen wird.

Der Übergang in den Ruhestand verläuft dabei keineswegs einheitlich. Während er für viele Menschen neue Freiräume, Möglichkeiten für Engagement oder auch eine Fortsetzung der Erwerbstätigkeit eröffnet, kann er zugleich mit Unsicherheiten, finanziellen Fragen, dem Verlust gewohnter Strukturen oder einer notwendigen Neuorientierung verbunden sein. Ziel des Fachtages war es deshalb, unterschiedliche Lebenslagen in den Blick zu nehmen und zu diskutieren, wie Kommunen und Träger den Übergang bedarfsgerecht begleiten können.

Wie groß die gesellschaftliche Dimension des Themas ist, verdeutlichte der Blick auf den Arbeitsmarkt. Nach den vorgestellten Daten werden in Deutschland innerhalb der kommenden zwölf Jahre rund zehn Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter erreichen. Das Ausscheiden der Babyboomer betrifft damit etwa jeden vierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Gleichzeitig ist die Beschäftigungsquote älterer Menschen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen; Sachsen weist im Bundesländervergleich mit 63,3 Prozent sogar die höchste Beschäftigungsquote Älterer auf. Gerade weil ein großer Teil der Babyboomer über langjährige Fachkenntnisse und Berufserfahrung verfügt, gewinnen der Erhalt von Wissen und ein gelingender Wissenstransfer zusätzlich an Bedeutung.

Der Fachtag „Zukunft gestalten – Babyboomer im Übergang“ am 18. März 2026 im Haus an der Kreuzkirche in Dresden.

Auch die politischen und kommunalen Folgen des demografischen Wandels wurden intensiv betrachtet. Für Sachsen bedeutet die Alterung der Bevölkerung unter anderem Veränderungen bei der Inanspruchnahme von Gesundheits- und Pflegeangeboten, bei den verfügbaren Arbeitskräften sowie bei den finanziellen Spielräumen der öffentlichen Hand. Als wichtige Handlungsfelder wurden deshalb unter anderem Generationenmanagement, lebenslanges Lernen, die stärkere Nutzung vorhandener Potenziale sowie die Anpassung kommunaler und staatlicher Strukturen herausgestellt.

Dass der Ruhestand weit mehr ist als eine rentenrechtliche Frage, zeigte der Praxisbericht des Kompetenzzentrums für den Übergang in den Ruhestand (KÜR). Menschen beschäftigen vor und nach dem Berufsausstieg beispielsweise Fragen nach einer neuen Tagesstruktur, sozialen Kontakten, sinnstiftenden Tätigkeiten oder Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements. Zugleich können finanzielle Sorgen, Ängste vor dem neuen Lebensabschnitt, Einsamkeit oder Schwierigkeiten bei der Neuorientierung eine Rolle spielen. Angebote der Übergangsbegleitung können hier Orientierung schaffen, Austausch ermöglichen und neue Perspektiven eröffnen. Besonders geschätzt werden nach den Erfahrungen des KÜR der Austausch mit anderen, soziale Kontakte, verständlich aufbereitetes Wissen sowie konkrete Anregungen für die Gestaltung des Ruhestandes.

Am Nachmittag vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die verschiedenen Perspektiven in drei Fachforen. Im Fokus standen Lebensgestaltung und neue Strukturen, die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen einer Weiterarbeit im Ruhestand sowie kommunale Übergangsberatung. Dabei wurden neben praktischen Erfahrungen auch rentenrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten wie Hinzuverdienst, Teilrente oder der Ausgleich von Rentenabschlägen thematisiert.

Zum Abschluss wurden die Ergebnisse der Fachforen gebündelt und Perspektiven für Kommunen und Träger diskutiert.

Ein konkretes kommunales Beispiel lieferte die Offene Seniorenarbeit der Stadt Leipzig. Dort gehören unter anderem Informationsveranstaltungen zum Übergang in den Ruhestand, Beratungsangebote in Seniorenbüros, die Förderung ehrenamtlichen Engagements und die Vernetzung bestehender Angebote zu den Bausteinen der Übergangsbegleitung. Der Ansatz verdeutlichte, welche Möglichkeiten Kommunen haben, Menschen bereits vor dem Berufsausstieg anzusprechen und den Übergang in die nachberufliche Lebensphase aktiv mitzugestalten.

Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion, in der die Erkenntnisse aus den Fachforen zusammengeführt und Perspektiven für Kommunen und Träger diskutiert wurden. Der Fachtag machte deutlich: Der bevorstehende Ruhestand der Babyboomer ist nicht allein eine Herausforderung für Rentensystem und Arbeitsmarkt. Er eröffnet zugleich die Chance, kommunale Seniorenarbeit weiterzuentwickeln, neue Formen der Übergangsbegleitung zu etablieren und die Erfahrungen, Kompetenzen und das Engagement einer großen Generation auch in der nachberuflichen Lebensphase einzubeziehen.